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70 Jahre Engagement für das Gemeinwohl

Ein kleiner Einblick in die Arbeit des THW Lauf

Großgeräte machen Eindruck

Wenn jemand bei Kindern mit großen Fahrzeugen Eindruck schinden könnte, dann wäre das in unserem Landkreis auf jeden Fall das THW (Technisches Hilfswerk). Was da alles an Fahrzeugen herumstand, war schon beeindruckend: Viele Lkws, Radlader und etliche Kleinbusse. Am unscheinbarsten war noch die Einsatzleitung, der Fachzug Führung und der Zugtrupp. Die meisten anderen Fahrzeuge und Anhänger hatten viel mehr ausbringbares Inventar. Bei der Bergungsgruppe sah das Fahrzeug einem HLF 20 von der Feuerwehr sehr ähnlich aus. Vor allem der Arbeitsbereich Räumen mit seinen verschiedenen Radladern und dem Lkw mit Ladekran macht deutlich, dass wie das THW bei größeren Problemen die Feuerwehren unterstützen kann und deshalb immer wieder gebraucht wird. Ja, die „blauen“ Spezialisten sind für schweres Gelände besser ausgestattet, wie die „roten“ Generalisten. So funktioniert Arbeitsteilung.

 

Die Gruppe ist das Entscheidende

Auf meine Frage, auf was das THW Lauf besonders stolz ist, kam vom Pressesprecher Joachim Süß sofort: „Die Mannschaft und ihre Leistung!“ Wobei hier zu erwähnen ist, dass langsam immer mehr Frauen in die frühere Männerdomäne vordringen und das ist auch gut so. Gerade der Todesfall eines 23-jährigen Mitglieds nur wenige Tage vor dem Großen Jubiläum hat die Mannschaft erschüttert. Der Kamerad hatte auf der A 9 als Ersthelfer bei einem Unfall helfen wollen, und wurde von einem Auto überfahren und tödlich verletzt, das wegen unerwartetem Hagelschlag ins Schleudern kam. „Aber es ist besser, etwas zu tun, als zuhause depressiv herumzusitzen!“ resümierte der stellvertretende Ortsbeauftragte, warum man die Jubiläumsfeier nicht abgesagt hat. Die ganz große Masse der Mitglieder beim THW sind Ehrenamtliche, die normalerweise etwa drei Abende im Monat für diesen Dienst geplant einsetzen. Mehr ist es dann bei Fachausbildungen und für die technischen Dienste. Dazu kommen die Hilfseinsätze, die meist länger dauern als bei den Feuerwehren. Dafür zahlt der Bund den Arbeitgebern eine Entschädigung für die ausgefallene Arbeitszeit. Daneben haben sich die THW-Mitglieder in einem Verein organisiert, der über die Beiträge immer wieder notwendigen Ergänzungen anschafft. Und das THW leistet auch einen Beitrag zur Jugendarbeit im Raum Lauf, in dem es eine Jugendgruppe ab 10 Jahren betreibt.

 

Einsätze bundesweit sind die Ausnahme

Gegründet wurde das THW 1952 als Organisation für den Zivilschutz noch in Zeiten des „Kalten Krieges“ Schon damals war der Ortsverband Lauf für den ganzen heutigen Landkreis zuständig. Bei der Masse der Einsätzen werden Feuerwehren und Polizei unterstützt, die nicht in allen Fällen die dazu notwendige Ausrüstung haben. Zum Beispiel war am Festtag vormittags ein Lkw auf der A 3 in Brand geraten und auch dazu wurde das THW gerufen. Vor allem im Bereich Bergen und Räumen sieht man einen Schwerpunkt der Ausrüstung. Daneben werden manchmal auch „nur“ andere Einsatzgruppen bei größeren Schadensfällen unterstützt mit Zelten für die Einsatzkräfte, Beleuchtung, Strom, Funk usw. Gar nicht gezeigt wurden am Jubiläum die Gerätschaften des Fachbereiches Sprengen, Ortung und Brückenbau. Außerdem ist das THW Lauf im Bereich der Trinkwasseraufbereitung die einzige Institution, die das im Nürnberger Land durchführen kann. Seltener wird das THW über die Landkreisgrenzen hinaus zu bundesweiten Einsätzen gerufen, wobei das eigentlich die Hauptaufgabe im Sinne des Zivil- und Katastrophenschutzes ist. Dazu gehören mehrere Einsätze im letzten Herbst nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal, genauso wie bei einem Moorbrand in Meppen oder ein zweiwöchiger Einsatz beim G7-Gipfel in Schloss Elmau in Oberbayern.

 

Aktuelle Themen

Aktuell diskutiert man im Zivilschutz, in wie weit das THW als Bundesanstalt auch bei den in letzter Zeit zunehmenden Waldbränden eingesetzt werden kann. Denn die Löschkapazitäten mancher Fahrzeuge des THW sind beachtlich und die Grundausbildung ähnelt der Feuerwher in vielen Bereichen. Entschieden wird das im Bundesinnenministerium.

Grundsätzlich ist die technische Ausstattung deutlich besser als vor 10 Jahren, aber aktuell macht eine drohende Kürzung des Etats der Technischen Hilfswerke für 2023 im Bundeshaushalt um 30 % (= 150 Mio €) den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Wie soll die Qualität angesichts steigender Einsätze und Herausforderungen durch die Klimakrise gehalten werden?

Ein weiterer Punkt ist eine Initiative von Versicherungen, die eine deutlich genauere Dokumentation durchsetzen wollen, wenn das THW bei großen Unfällen unter Zeitdruck oder in schwierigem Gelände Waren in großen Mengen aus Lkws birgt, was kein anderer macht. Hier muss man schon hinterfragen, ob das Misstrauen gegen eine Institution des Staates (!) gerechtfertigt ist und eine deutliche Zunahme von Bürokratie für die Ehrenamtlichen sinnvoll ist.

 

Wie können wir das THW unterstützen?

„Welche Unterstützung wünscht Ihr Euch von der Bevölkerung und Politik für die Zukunft?“ war meine letzte Frage im Interview mit dem stellvertretenden Ortsverbandsvorsitzenden. Da wäre zum Einen der Nachwuchs. Die eigene Jugendgruppe ist dazu nicht ausreichend. Und so freut sich das THW Lauf immer wieder, wenn auch Eltern in den 30er Jahren dazu stoßen, wenn die Kinder etwas selbständiger geworden sind. Daneben kann man das THW aber auch passiv unterstützen, in dem man in den Förderverein Katastrophenschutz e. V. beitritt. 20 € im Jahr (!) als Mindestbeitrag dürfte für die wenigsten Bürger ein Problem sein. Bei der Landkreispolitik fühlt sich das THW bisher gut gehört, wenn zu einzelnen Anschaffungen nach Zuschüssen angefragt wurde. Bleibt nur die Bundespolitik, die sich gut überlegen sollte, ob sie wirklich die 30% Kürzung realisiert und dafür z. B. mehr Geld für die Rüstung ausgibt. Am Nachmittag wollten zwei der drei Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis zu Besuch kommen, dazu sollen sie sich äußern.

 

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