Peritinos störte das Gansessen zu recht

Kommentar zur Vorstellung des Gesundheitsstrukturgutachtens für den Landkreis

Wenn man ein teures Gutachten bei einer Fachfirma in Auftrag gibt, darf wohl kaum erwarten, dass man nichts Neues erfährt. Oder wollte man nur das hören? Wir sind schon gut aufgestellt! Wenn sich der Kreistag in seinem vorweihnachtlichen Harmoniebedürfnis nicht hätte stören lassen wollen, dann hätte der Landrat die Gutachter zu einem anderen Termin einladen müssen. So aber erfuhr der Gast in Leinburg nicht nur neue, aber durchaus interessante Daten zur möglichen Entwicklung der Gesundheitsregion Plus im Nürnberger Land in verschiedenen Bereichen. Und natürlich auch Handlungsempfehlungen einer Firma, die das öfter macht. Aber es war ja bereits bei der Vorrede klar, dass ein halbstündiger Extrakt aus 100 Folien das Thema nur anreißen kann und das hat es dann auch. Die eigentliche Arbeit folgt jetzt, wenn die Fraktionen sich das Papier im Detail anschauen. Deshalb macht es wenig Sinn, zugespitzte Formulierungen zu kommentieren

Gut ist es auf jeden Fall, den Kreistag auf seine Verantwortung für die Gesundheitsversorgung im Nürnberger Land deutlich hinzuweisen, auch wenn man diese mit dem Verkauf der Krankenhäuser 2006 ans Nürnberger Klinikum delegiert hat. Das Beispiel der Schließung des Krankenhauses Hersbruck wirft aber die Frage auf, ob man sich damit nicht zu schnell freigekauft hat. Auch dazu hatte die Firma Peritinos einen bedenkenswerten Vorschlag parat: Sorgen Sie dafür, dass der Landrat in den Aufsichtsrat des Klinikums Nürnberg kommt.

Die Kritik von MdL Norbert Dünkel an den fehlenden Daten der Firma war nicht nachvollziehbar. Gerade er als Mitglied der Regierungskoalition in Bayern müsste doch genug Möglichkeiten der Information haben. Oder war seine Erwartung unrealistisch, um von seinem Zwiespalt abzulenken: Bundesweit begünstigt die Koalition die Schließung von Krankenhäusern durch ihre Vergütungspolitik, aber lokal soll er sein regionales Krankenhaus verteidigen.

Was in den letzten Tagen für Aufregung sorgte, war die Bewertung der Fachfirma, der Landkreis habe in letzter Zeit nicht prioritär den Gesundheitsbereich beackert. Nach meinem Empfinden ist das keine Kritik am Gesundheitsamt, sondern soll den Blick des Kreistages mehr auf dieses Thema lenken. Das wurde auf jeden Fall bewirkt.

Ein weiterer interessanter Vorschlag der Fachfirma sprach klar von mehr Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung der Gesundheitsregion in der Zukunft. Der erste Schritt wäre hier die öffentliche Information aller interessierter Bürger über das gesamte Gutachten. Und der nächste vielleicht die Einsetzung eines Gesundheitsausschusses im neuen Kreistag. Bis dahin wird es spannend, wer dann das Thema mit beratschlagen darf. Die ÖDP ist dazu auf jeden Fall bereit. Walter Stadelmann

Krankenhaus Altdorf (Foto: W. Stadelmann)


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