Ein Schuss nach hinten?

Kommentar von Vorstandsmitglied Ulrike Wagner aus Schwaig zur geplanten Schießübungsanlage

 Der Freistaat Bayern plant ein Schießübungszentrum in direkter Nähe zu einem Wohngebiet in Schwaig. Auch ohne Befürwortung durch Gemeinderat und Bürgermeisterin. Trotz bereits vorhandener Übungsanlagen meint man, aufgrund einer veränderten Bedrohungslage durch Terrorismus und Amokläufern eine modernere Anlage auch für Langwaffen (also Maschinenpistolen und Gewehren) zu benötigen. Es soll hier ein Übungszentrum geschaffen werden, an dem täglich und auch in reduzierter Form an den Wochenenden die Anwohner mit enorm belastenden Lärm (Schüsse sind erheblich stressender als z.B. Lärmrauschen) und auch Luftverschmutzung konfrontiert werden. Ganz zu schweigen von einem nicht so kleinen Waldstück, das abgeholzt werden müsste, obwohl wir uns doch alle im Moment fragen, wie wir den Wald schützen und aufforsten können.

Ich frage mich auch, inwieweit die angeführte Bedrohungslage hinsichtlich Terrorismus und Amok in unserem Land wirklich so angestiegen sein soll. Alle die Opfer von Terrorismus, egal welcher Couleur, Opfer von Amokläufern, und auch alle ihre Angehörigen, sie haben mein tiefstes Mitgefühl. Aber mal pragmatisch gesehen: wie viele solche Opfer haben wir in Deutschland, und wie viele Opfer haben wir aufgrund Verfettung, Alkoholismus oder extrem steigender Krankheitsraten? Anstatt immer mehr für eine Sicherheit zu sorgen, die wir in dieser Form nicht brauchen, sollte der Staat doch eher Gelder dafür bereitstellen, dass unsere Umwelt intakt gehalten werden kann und das Klima erträglich. Dass Menschen nicht durch Stress, Leistungsorientierung und Profitzwang, durch Existenzängste und Armutsbedrohung, durch eine angstschaffende „unsoziale“ Medienwelt und letzten Endes durch Akzeptanz von immer mehr Gewaltbereitschaft in Situationen getrieben werden, die – immer noch für nur sehr wenige – in einer Affinität zu Terror und Amok enden.

Der Schuss könnte sonst nach hinten losgehen. Quasi dem Ansehen des Freistaats zumindest für uns Schwaiger wenigstens einen symbolischen Streifschuss verpassen.


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