Angelika Demmerschmidt spricht in Lauf im Rahmen der Kampagne „Klaus graust’s“ des ÖDP-Europaabgeordneten Prof. Dr. Klaus Buchner über die Gefahren der Massentierhaltung

Demmerschmidt: „Agroindustrielle Tierhaltung ist wesentliche Brutstätte für antibiotikaresistente Keime“

Einem breiteren Publikum dürfte Frau Demmerschmidt als Initiatorin des Antenne Bayern Weihnachtstrucks bekannt sein. Mittlerweile ist sie Referentin für Kommunikation

und Medien des Europaabgeordneten Prof. Dr. Klaus Buchner (Mitglied des Europäischen

Parlaments für die Ökologisch-Demokratische Partei, ÖDP). Bei ihrem Vortrag am 14.09. ab 19.30 Uhr im Hotel zur Post in Lauf  spricht sie über die Gefahren der Massentierhaltung und die steigende Zahl von Antibiotikaresistenzen.


So führt die breite Anwendung von Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung zu einer

steigenden Zahl von multiresistenten Keimen, den sogenannten Krankenhauskeimen (MRSA –

Methicillin resistenter Staphylococcus aureus). „Multiresistente Keime aus der Landwirtschaft

werden in Besorgnis erregendem Ausmaß auf den Menschen übertragen. Dadurch werden unsere

Antibiotika zunehmend wirkungslos“, so Demmerschmidt.


Jedes Jahr sterben weltweit – in steigendem Maße – Menschen an Infektionen, weil Antibiotika

nicht mehr wirken. Wenn gegen diesen Umstand nicht schnellstens etwa unternommen wird,

könnten nach einer Studie des Universitätsklinikums Berliner Charité im Jahr 2050 weltweit

mehr Menschen an Antibiotikaresistenzen sterben als an Krebs. Das wäre die Rückkehr ins

medizinische Mittelalter.


„In der Massentierhaltung werden große Mengen Antibiotika vorbeugend eingesetzt. Wegen der

nicht artgerechten Tierhaltung würden die Tiere ansonsten krank werden. Die dadurch

entstehenden multiresistenten Keime gelangen über die Gülle auf die Felder und damit auch ins

Grundwasser“, klärt die Referentin auf. Ein Mensch, der mit dem Keim besiedelt ist, zeigt in der

Regel keine Krankheitssymptome. Überträgt er jedoch diesen Keim auf einen kranken oder

geschwächten Menschen (überwiegend im Krankenhaus oder anderen medizinischen

Einrichtungen), führen solche Infektionen immer häufiger zu Multiorganversagen mit

Todesfolge.


Doch die verantwortlichen Politiker verschließen die Augen und unternehmen viel zu wenig.

Viele aus Ahnungslosigkeit, viele vor allem aus Gründen des wirtschaftlichen Profits in ihrer

Region und aus Sorge um die Arbeitsplätze. „Mitteilungen, nach denen der Antibiotikaeinsatz in

der Landwirtschaft verringert wurde, sind irreführend. Es werden von den Tierärzten zwar

geringfügig weniger Tonnen Antibiotika verschrieben, dafür setzen sie nun aber hochwirksame

Breitband-Antibiotika ein, welche viel stärker wirken“, betont die Referentin.


Demmerschmidt weist auf die Warnungen des Europaabgeordneten hin, dass durch die geplanten

Freihandelsabkommen TTIP und CETA weitere Millionen Tonnen billiges Massenfleisch aus

industrialisierter Tierhaltung auf den europäischen Markt kämen. Wie die jüngsten Enthüllungen

der TTIP-Verhandlungspapiere zeigen, wollen die USA auch Gen- und Hormonfleisch in die EU

exportieren.


Die Referentin unterstreicht, dass Prof. Buchner ein Umdenken in Politik und Gesellschaft

fordert. „Wir müssen wegkommen von der industriellen Landwirtschaft. Als Sofortmaßnahme

muss es ein Verbot von Reserve-Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung geben. Es

dürfen keine Antibiotika vorbeugend an gesunde Tiere verabreicht werden. Stattdessen müssen

wir zurückkehren zu einer artgerechten Tierhaltung auf Weiden. Die Förderung von

Großmastanlagen muss eingestellt werden, letztendlich muss die Massentierhaltung in ihrer

jetzigen Form abgeschafft werden.“


Angelika Demmerschmidt ist Referentin für Kommunikation und Medien des ÖDP Europaabgeordneten Prof. Dr. Klaus Buchner und leitet die Kampagne „Klaus graust’s“ gegen

Massentierhaltung und multiresistente Keime.

Prof. Dr. Klaus Buchner war von 2003 bis 2010 Bundesvorsitzender der Ökologisch-

Demokratischen Partei (ÖDP). Bei der Europawahl im Mai 2014 wurde der heute 75-Jährige

Münchner ins Europäische Parlament gewählt. Er ist dort Mitglied der Fraktion

Grüne/Europäische Freie Allianz.


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