Letzte WasserRadTour an der mittleren Schwarzach

 

Es riecht nach Mehl und man hört mäßig lauten Motorenlärm. Im düsteren Raum ragen zahlreiche Rohre senkrecht von der Decke, andere queren auf zwei Drittel Höhe und zwingen zum Bücken.

Doch Max Bauer läuft zügig mit schlafwandlerischer Sicherheit vom Erdgeschoss bis unter das Dach und zeigt den Interessenten alle wesentlichen Arbeitsbereiche seiner Getreidemühle. Verschiedenste Mahlgänge legen die einzelnen Bestandteile des Weizens frei: Mehl, Grieß und Kleie, das als Tierfutter Verwendung findet. Ausgangspunkt der Führung war nur die spontane Frage nach einer Besichtigung der Turbine an den Mühlenbesitzer und schon hatte die Radlergruppe eine Betriebsführung in der ehemaligen Schleifmühle erlebt.

Engagierte Fangruppe

Es gehört zu den bereichernden Erfahrungen dieses Aktionsangebotes der ÖDP, dass sich auf jeder Radtour auf Spuren der Wasserkraft Mühlenbesitzer über das Interesse an ihrer Arbeit gefreut und spontane Führungen angeboten haben. Deshalb haben die WasserRadTouren unter Leitung des Stellvertretenden Kreisvorsitzenden der ÖDP, Walter Stadelmann aus Schwarzenbruck auch in den letzten drei Jahren eine kleine Fangemeinde gefunden. Dazu gehört ein Ehepaar aus Altdorf, wo der Mann aus einer Bäckerfamilie stammt. Oder der Ruheständler aus Hersbruck, der selbst zeitweise in einer Mühle aufgewachsen ist. Schließlich ein Kraftwerksbesitzer von der oberen Pegnitz, der auch einen weiten Anfahrtsweg in den südlichen Landkreis nicht scheut, wenn es um sein Erfahrungsfeld geht: Wie geht es den Menschen, die umweltfreundlich Energie erzeugen wollen. Warum kann es 18 Jahre dauern, bis ein Fischpass genehmigt ist? Warum sind manche Naturschützer für die Wasserkraft und andere dagegen?

Mühlen war Ausgangspunkte der Industrialisierung

Bei der WasserRadTour wurde besonders deutlich, dass die Mühlen die Ausgangspunkte der Industrialisierung im ländlichen Raum waren. Davon zeugt die Geschichte der Altdorf der Prethalmühle, der drei Mühlen bei Burgthann und der Schwarzenbrucker Mühlen. Aus Ihnen entstanden schon im Mittelalter Hammerwerke, die Metalle mit Hilfe der Wasserkraft bearbeiteten.

Viele von ihnen wurden dann im 19. Jahrhundert in Fabriken umgewandelt: Die Prethalmühle war eine Kupferfolienfabrik, in Burgthann entstanden zwei Kammfabriken und ein Verarbeitungsbetrieb für Metallwaren. Zusätzlich wurde in Ochenbruck die Bronzefabrik und in Gsteinach das Granitwerk mit Wasserkraft betrieben.

Positives Fazit der Teilnehmer

Zu den neuen Teilnehmern an dieser Etappe gehört ein Feuchter Senior ohne E-Bike und ein Ingenieur aus Altdorf, der bis vor Kurzem selbst für das Wasserwirtschaftsamt unter Anderem solche Seitenkanäle gebaut, die den Fischen helfen, die Wehre ohne Schaden zu umgehen. Alle nehmen etwas mit und erfahren neue Dinge zur umweltfreundlichen Energiegewinnung. Oder sie lernen durch die Radtour Seitenwege kennen, die sie bisher noch nicht gefahren waren.

Zum letzten Höhepunkt der Radtour stellen die Teilnehmer ihr Drahtesel auf Seite und steigen die Treppe zum Eingang der Schwarzachklamm hinab, um das leistungsstärkste Wasserkraftwerk auf dieser Tour zu sehen: Das Kraftwerk von Gsteinach am Felsenweg.

In Feucht löst sich die Radlergruppe wieder auf: Das Ehepaar bleibt gleich im Biergarten am Brückkanal, ein anderer Teil der Gruppe fährt noch bis zur Ortsmitte. Neben dem Zeidlerschloss am oberen Ortsende von Feucht stand früher ebenfalls eine Mühle, die schon längst verschwunden ist.


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