10.10.2017

Gedanken zu den Artikeln „Mehr Ärzte, weniger Pfleger“ und „Würden Sie sich wirklich von einem Roboter pflegen lassen?“ vom 06.10.2017 in den Nürnberger Nachrichten

Gerade in der Zusammenschau beider am selben Tag erschienener Zeitungsartikel zeigt sich das Versagen von Politik und Gesellschaft im Kampf gegen den zunehmenden Pflegekräftemangel. Es ist nämlich nicht eine Frage des Geldes! Sonst könnten wir nicht in den letzten Jahren mehr Ärzte im Krankenhaus einstellen, die in der Regel deutlich mehr verdienen als Pflegende! Es ist eine Frage des Willens und der Prioritätensetzung. Hier zeigt sich, wie mächtige Lobbies in der Politik zum Nachteil der Bevölkerung handeln, während ein schlecht organisierter Berufsstand teilweise zuschaut.

Nicht einmal die FDP würde darauf kommen, die Ärztekammer abzuschaffen! Aber der Pflege verweigert man das, nicht zuletzt in Bayern mit einem schwachen Ersatzgremium. Auch manche Arbeitgeberverbände fürchten eine starke Vertretung der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen offenbar mehr als einen Pflegenotstand. Und viele Wähler vermeiden das Thema, bis sie dann selbst betroffen sind und oft keine Wahl mehr haben. Jetzt ist es Zeit, das spät im Wahlkampf entdeckte Thema Pflege in die Koalitions-Verhandlungen einzubringen, damit es nicht erst wieder bearbeitet wird, wenn die nächste Krise droht!

Walter Stadelmann, Diakon und Krankenpfleger

Stellvertretender Kreisvorsitzender